Erster Ausflug nach Villa de Leyva

Donnerstag, 06.02.2014

Letztes Wochenende began der erste Ausflug nach Villa de Leyva, einer in der Kolonialzeit  gegründete Stadt, die nördlich von Bogotá liegt aber weiterhin dem "Bundesstaat" Cundinamarca angehört (dessen Hauptstadt Bogotá ist).

Los ging es am frühen Samstag Morgen um halb acht von der Umgehungsstraße (Autopista Norte, Calle 170) Bogotás. Von dort aus starten täglich mehrere Dutzend Busse, die jeglichen Ort in Kolumbien anfahren. Zum Beispiel kann man sogar an die karibische Küste Kolumbiens nach Barranquila oder nach Cartagena mit dem Bus von dort aus fahren, was angesichts der geografischen Distanz allerdings bis zu 20 Stunden dauern kann. Zwei meiner Mitbewohner, Lea und Juan , und mein Kommilitone Steven aus Canada kamen ebenfalls mit. Die Fahrt nach Villa de Leyva dauerte ungefähr dreineinhalb Stunden, wobei wir noch einmal in Tunja umsteigen mussten, um einen Anschlussbus nach Villa de Leyva zu bekommen. Die Fahrten mit dem Bus sind unwahrscheinlich billig. Insgesamt habe ich für eine Fahrt mit dem Bus von Bogotá nach Villa de Leyva ca. 22 000 COP gezahlt, was ungefähr 9 Euro entspricht. So ein Preis wäre in Deutschland für so eine Strecke wohl kaum denkbar, außer man nutz vielleicht Meinfernbus;)

Während der Busfahrt hat mein kolumbianischer Mitbewohner versucht mein spanisch aufzubessern, wobei Steven fast ausschließlich nur geschlafen hat , da er von der Party des vorabends zu erschöpft war. Ich habe mir leider einen grandiosen Sonnenbrand am Freitag geholt, sodass ich den Vorabend lieber zuhause verbracht habe (meiner Gesichtsfarbe nach hätte man mich an dem Abend auch mit einem Krebs verwechseln können).

Auf dem Weg nach Villa de Leyva haben wir einige Hostels angerufen, um uns einen Schlafplatz für die Nacht zu sichern.

Angekommen sind wir in Villa de Leyva um elf Uhr. Als erstes haben wir unser Hostel aufgesucht, welches anscheinend die Billigvariante des Hostels gewesen ist, welches uns die preiswerte Unterkunft vermittelte. Für eine Nacht mussten wir zu viert 80000 COP zahlen, sodass jeder mit knapp 7 Euro dabei war. Unser Hostel war im klassischen spanischen Kolonialstil aufgebaut, wobei das Haus in der Mitte ein Art Atrium besaß (nur ohne Atrium) welches nicht überdacht war. Die überwiegenden Häuser in Villa de Leyva waren so aufgebaut und die Straßen waren geziert mit riesigem Kopfsteinpflaster. Jede Straße führte zum Zentrum der Stadt des Major Plazas, am dem auch eine Kirche zu bewundern war, was für das katholiche Kolumbien keineswegs ungewöhnlich ist.  Wir konnten sogar am Abend eine Trauung miterleben. Die Stadt ansich ist aufgrund ihrer Größe sehr übersichtlich und ein absoluter Tourismusort, sowohl für Ausländer als auch für Kolumbianer selbst.

Nach der Ankunft in unserem Hostel hatten wir alle großen Hunger, sodass wir uns ein preiswertes, traditionelles Restaurant suchten. Während ich auf altbewährtes zurückgriff und mir Huhn mit Kartoffeln und Reis bestellte, bestellten Steven und Juan das Schweinefleisch des Hauses. Für Steven sollte sich dies als absoluter Fehlgriff herausstellen, da das Fleisch dermaßen durchwachsen war, als das man es kaum kauen konnte und man eher an Kaugummi als an Fleisch denken musste (ich konnte mich selbst davon überzeugen). Steven sprang deswegen aufeinmal aprupt auf, gab uns das Geld für sein Essen und zischte ab, auf der Suche nach einem neuen Essen. Juan hingegen freute sich, da er sich erstmal das restliche Fleisch von Steven unter den Nagel riss, obwohl es ihm selbst auch nicht so gut geschmeckt hat.

Nachdem wir alle gesättigt waren, wollten wir uns auf den Weg zu Pozos Azules machen, wo wunderschöne Seen zu bestaunen sind, die inmitten einer Art Wüste liegen und aufgrund der Mineralien eine unglaublich türkise Farbe besitzen. Das Wetter war allerdings erbarmungslos mit uns, da es gefühlt 30 Grad hatte ohne Luftfeuchtigkeit, sodass vor allem Juan nach fünf Minuten fußmarsch vorzog mit dem Bus zu den Seen zu fahren.

Der Anblick der Seen und der wüstenartigen Landschaft war tatsächlich absolut lohnenswert, was diese Bilder hoffentlich widerspiegeln können.   Kurz bevor wir wieder nach Villa de Leyva zurückkehrten, entdeckten wir noch dieses Kunstwerk, was ebenfalls sehr beeindruckend war. Die Figur bestand nur aus Ästen, Hölzern und Farbe und der Titel lautete ungefähr: Das Bewusstsein der Erde liegt hier.  Angesichts der Landschaft, die sich im Hintergrund dieses Kunstwerkes auftut, könnte man tatsächlich den Spruch für wahr erachten.

 

Nachdem wir diese Seenlandschaft verlassen hatten, wollten wir uns noch das größte Meeresfosil der Welt angucken. Leider mussten wir feststellen, dass es sich hierbei nur um ein Museum handelte und wir verzichteten darauf nochmal Eintritt zu zahlen.

Gegen fünf, halb sechs kamen wir wieder in Villa de Leyva an und ruhten uns kurz im Hostel aus, bevor wir in ein uns empfohlenes Restaurant gehen wollten. Ich wollte unbedingt duschen, da ich mich aufgrund der Hitze nicht mehr so wohl fühlte. Leider musste ich an diesem Tag eine wichtige Lektion über kolumbianische Duschen bzw. Badezimmer machen. Ich legte nämlich meine Wäsche ganz normal auf dem Boden des Badezimmers ab und musste dann leider nach dem Duschen feststellen, dass sich der Bereich außerhalb der Dusche zu einem kleinen See entwickelt hat, sodass meine Hose und meine Socken komplett durchnässt waren. Dies lag keinesfalls daran, dass ich den Duschvorhang nicht richtig geschlossen hatte, sondern dass die Wasserleitungen und Abflussrohre in Kolumbien sehr einfachen Grundsätzen folgen und es durchaus mal passieren kann, dass das Wasser nicht abfließt sondern praktisch in das Badezimmer wieder umgeleitet wird, sodass alles unter Wasser steht. Leider hatte ich auch keine andere Hose mit, geschweige denn Socken - schließlich sind wir nur für eine Nacht geblieben und der Platz in meiner Tasche war stark begrenzt. Mir blieb also nichts anderes übrig als meine Jogginghose anzuziehen, die ich als Schlafhose eingepackt hatte. Lea war so lieb und lieh mir ihre Socken, allerdings sollte dies dann mein Outfit für das Restaurant sein und ich kam mir ziemlich schäbig vor - vor allem weil in dem Restaurant alle Besucher unglaublich gut angezogen waren.

Dies sollte allerdings noch nicht das Ende meiner kleinen Pechsträhne gewesen sein, da ich kein Geld mehr mit meiner Kreditkarte abheben konnte und mich dieser Umstand vor einem riesigen Rätsel stellte. Ich wusste zu 100%, dass ich noch genügend Geld auf meinem Konto hatte und konnte mir überhaupt nicht erklären, warum ich kein Geld abheben konnte mit dem Hinweis, mein Konto verfüge über zu wenig Geldmittel. Kurzzeitig dachte ich sogar daran ausgeraubt worden zu sein, wobei das total absurd gewesen wäre, da ich ja immer meine Kreditkarte bei mir hatte. Es stellte sich im Nachhinein heraus, dass eine Geldtransaktion meines Internetkontos auf die Kreditkarte nie stattgefunden hat, sodass ich die ganze Zeit in Bogotá von meinem Dispo lebte. Ich kann mir nicht wirklich eklären, warum die Transaktion nicht statt fand, da ich mir ziemlich sicher war, vor meiner Abreise eine Überweisung auf meine Kreditkarte getätigt zu haben.

Aufgrund des fehlenden Geldes war meine Stimmung am Abend deutlich eingetrübt - auch wenn Juan mir Geld geliehen hat - aber sich Geld zu leihen ist für mich immer eine unangenehme Sache, die mir eigentlich auch kaum passiert.

Der Anblick des Ambiente des Restaurants machte fast alles wieder gut - überall waren Kerzen und Feuerspender, die Mitte des Gebäudes war ebenfalls nicht überdacht, sodass man Blicke auf den Sternenhimmel erhaschen konnte, es gab eine Bühne, wo eine kleine Band traditionelle, kolumbianische Musik live spielte und überall um uns herum saßen größtenteils nur Pärchen, was mich darauf schließen ließ, dass dieses Restaurant - aber vor allem auch Villa de Leyva - gerade frischverliebte magisch anziehen muss.

Vor allem bei Nacht erschien die Stadt noch beeindruckender als am Tag, da überall Straßenlaternen die kleinen Gassen der Straßen beleuchteten und sich in mehreren Winkeln der Stadt kleine Parks erstreckten. Villa de Leyva ist vor allem auch dafür bekannt, dass man abends die Sterne besonders gut sehen kann, da die Stadt auf selber Höhe liegt wie Bogotá - nur ohne den abendlichen Smoghimmel, der die Sicht auf die Sterne möglich macht. Ich hatte tatsächlich das Gefühl noch nie so nah an den Sternen gewesen zu sein.

Als wir nach dem Essen wieder auf dem Major Plaza der Stadt ankamen, war dieser auf einmal sehr belebt, wo alle Besucher sich sammelten und Bier tranken, während eine Band mit karibischer Musik für die nötige Unterhaltung sorgte. Dies war ebenfalls eine neue Erfahrung für mich, da die Leute so unwahrscheinlich ausgelassen zu der Musik tanzten und so fröhlich und ungehemt dabei waren.

Zum Erstaunen meinerseits gab es sogar eine !deutsche! Kneipe in Villa de Leyva, direkt am Major Plaza der Stadt. Ich konnte es kaum glauben und ich habe mir dann auch erstmal ein Warsteiner bei der Gelegenheit bestellt. Allerdings erzählte uns ein kolumbianischer Gast in der Kneipe, dass Villa de Leyva überproportional von Deutschen besucht wird - laut ihm sei jeder zweite Tourist in Villa de Leyva aus Deutschland.

Am nächsten Tag ging es dann weiter und wir wollten zu den Wasserfällen, die in der Nähe liegen und sehr bekannt für Villa de Leyva sind. Dieses Mal sind wir auch mit dem Bus gefahren, da das Wetter abermals sehr warm war und der Ort weiter entfernt lag.

Der Bus hat uns dann an einer Kreuzung rausgelassen, von der wir noch ein kleines Stückchen laufen mussten, um die Wasserfälle zu errechen. Als wir angekommen sind mussten wir ca. 7000 COP zahlen, was ungefähr 2, 70 € entspricht. Es war wie ein Abenteuertrip, da man durch Felsen gehen musste und die Natur einen absolut in den Bann gezogen hat. So eine Vegetation habe ich davor auch noch nicht gesehen. Vor allem der Blick auf diese weitgezogene, grüne Landschaft war einfach nur beeindruckend Man konnte sogar an den Wasserfällen klettern - allerdings konnt ich leider in diesem Moment nicht so viel Mut aufwenden. Hier noch ein paar Bilder von den Wasserfällen.  

 

Ein Highlight des abends war der letzte Restaurantbesuch in Villa de Leyva, bevor wir wieder nach Hause gefahren sind. In Kolumbien herrschen nämlich doch nochmal andere Essgewohnheiten, sodass sich Juan, mein kolumbianischer Mitbewohner eine traditionelle Suppe mit Schweinsfuß bestellt hat, die man dann mit der Haut des Fußes gegessen hat. Ich muss schon sagen, daran muss ich mich erst gewöhnen - Leah, meine andere Mitbewohnerin, hat ebenfalls eine traditionelle Suppe mit Rindermagen bestellt. Ich konnte mich leider nicht überwinden zu probieren.

Nach diesem Essen haben wir noch ein ganz spezielles Dessert in Villa de Leyva gegessen, dessen Name "Miloha" ist und einfach nur absolut lecker war. Dies war ebenfalls eine Empfehlung eines kolumbianischen Studentens an meiner Uni, der absolut richtig Lag mit seinem Geschmack! Nach diesem Dessert haben wir uns wieder auf den Rückweg gemacht und sind mit einem Bus von VIilla de Leyva nach Tunja gefahren, wo uns leider ein absoluter Menschenandrang erwartete. Gottseidank hatten wir Glück und es kam ein Mann vorbei, der seinen Privatbus ebenfalls für eine Fahrt nach Bogotá anbot. Dies is eigentlich illegal, da er den zugelassen Reiseverkehrbussen den Markt kaputt macht, sodass wir auch prompt von einem Polizisten an der ersten Kreuzung angehalten wurden. Was danach passierte, bestätigte dann leider doch das Bild Kolumbiens von Korruption, da der Busfahrer zum Polizisten ging, kurz geredet hat und dann aus seiner Hosentasche die Geldscheine gezogen hatte und dem Polizisten in die Hand gedrückt hat. Der Polizist ließ uns daraufhin ohne Beschwerde weiterfahren...Meine anderen Reisebegleiter sagten mir dann, dass in Kolumbien die Polizisten sehr schlecht bezahlt werden, sodass es sich um keine Seltenheit handelt, dass sie sich schmieren lassen.

Kultur und Essen in Kolumbien

Donnerstag, 06.02.2014

An dieser Stelle möchte ich mich den ersten Eindrücken der lateinamerikanischen oder vielleicht doch eher der kolumbianischen Kultur und der dort vorherrschenden Essgewohnheiten widmen.

Zu allererst lässt sich festhalten, dass Kolumbianer wirklich sehr offen und freundlich sind. Vor allem, wenn man westlich aussieht sind die Menschen hier unwahrscheinlich neugierig, da hier doch nicht so viele Touristen sind. So erkläre ich mir auch die Freundlichkeit und Offenherzigkeit der Leute hier, da sie sich darüber freuen, wenn sich "Ausländer" in ihr Land begeben trotz des sehr negativen Images durch die Vergangenheit des jahrzehntelangen Bürgerkrieges. 

Kolumbiander können zudem unwahrscheinlich gut tanzen, das Rythmusgefühl scheint den Leuten tatsächlich in die Wiege gelegt zu sein. Allerdings können sie das nicht nur überragend gut, sondern sie lieben es auch zu tanzen - man wird nirgends leere Tanzflächen sehen. Die lateinamerikanische Musik, größtenteils bestehend aus Salsabeats und Reaggaeton ist überaus dominant in Bogotá, nur sehr selten hört man Chartsmusik aus dem Westen. Gerade beim Thema Musik wird mir immer wieder bewusst, dass ich eine ganz andere Kultur betreten habe - denn wenn zum Beispiel Stefany, eine meiner Kommilitonen in Bogotá Musik anmacht, kenne ich wirklich keinen einzigen Künstler mehr, wobei das für Kolumbianer Chartsmusik ist.

Allerdings scheinen die Menschen hier immer noch einen Gefallen an 50 Cent zu haben, dessen Lieder man doch öfters hört - vor allem in Clubs. Es ist super faszinierend zu sehen, dass die Kolumbianer wirklich jedes Lied mitsingen und das aus ganzem Herzen - dadurch entsteht ein Gemeinschaftsgefühl, was ich in Deutschland auch nur selten in der Art erlebe.

Ebenfalls lustig ist der Fakt, dass im Taxi oder im Bus oft die Musik des Fahrers gespielt wird und dies ist meist auch lateinamerikanische Musik. Beim Thema Bus ist mir aufgefallen, dass viele Kolumbianer ein Problem damit haben sich direkt auf einen Sitz zu setzen der zuvor besetzt war. Es scheint kulturell bedingt zu sein, dass es unangenehm ist, sich auf einen "warmen" Sitz im Bus zu setzen. So konnte ich schon mehrmals beobachten, wie die Menschen zwar zum Sitzplatz gehen, aber anstatt sich hinzusetzen, kurz davor stehen bleiben, bis der Sitz vermutlich abgekühlt ist und sich dann erst hinsetzen. Der Anblick dieses Habitus verursacht doch öfters ein schmunzeln in meinem Gesicht.

Wodran ich mich hier wohl am meisten noch gewöhnen muss, ist der Umstand, dass hier in Kolumbien, wohl aber in fast allen südamerikanischen Ländern, das Klopapier nicht etwa ins Klo geschmissen wird, sondern immer in den Mülleimer. Die Kanalisationen und Abwasserleitungen sind wohl nicht dafür ausgelegt. Um ehrlich zu sein, habe ich mich immer noch nicht umgewöhnt, sodass ich nur darauf warte bis das erste Klo verstopft.

Weiterhin habe ich das Gefühl, dass hier die Menschen sehr viel politischer sind als in Deutschland, was aber wohl auch der Vergangenheit zu schulden ist, da der Bürgerkrieg zwischen den Anhängern der linken FARC Bewegung und den rechten Paramilitärs, die die Interessen der rechts-konservativen Eliten in Kolumbien verteidigen wollen, weiterhin sehr dominant ist und tiefe Spuren hinterlassen hat. Der Bürgerkrieg wird nun allerdings nur noch in abgelegenen Gebieten ausgetragen, meist im Südwesten Kolumbiens. Zurzeit finden vor allem Friedensgespräche in Kuba statt, die ausschlaggebend für die im Mai stattfindende Präsidentschaftswahl in Kolumbien sein können - je nach Ausgang der Gespräche, wird sich der derzeitige Präsident Kolumbiens Juan Santos behaupten können oder auch nicht. Aufgrund dieses Kontextes wird es wahrscheinlich in den nächsten Monaten zu vermehrten Protesten kommen, da sowohl die linken Bewegungen als auch die rechten Bewegungen ihre Anhänger mobilisieren wollen. Ich finde es deswegen super interessant gerade hier in Bogotá zu sein und alles hautnah mitzuerleben, da man aus Deutschland kaum in den politischen Kontext der lateinamerikanischen Staaten eingebettet wird, da vor allem die Medienberichterstattung in diesem Bereich nur so marginal ausfällt. Außerdem werden den Bürgern hier, als Anreiz zur Wahl zu gehen, 200.000 COP gezahlt, was ca. 70 Euro entspricht, obwohl es "nur" eine NIchtwählerquote von 32% gibt - entspricht fast der Wahlbeteiligung in Deutschland für die Bundestagswahlen.

Des Weiteren fällt hier auf, dass überall Frisörsalons sind, die zu einem Spottpreis das Rundumangebot anbieten - von Haare schneiden, bis Maniküre und Pediküre. Meine Mitbewohnerin erzählte mir, dass wohl anscheinend viele Kolumbianerinnen drei Mal die Woche zum Frisör gehen, damit die Frisur auch perfekt sitzt - um dem nachkommen zu können, müssen viele schon um sechs Uhr morgens den Start in den Tag mit dem Frisörbesuch beginnen.

Allgemein lässt sich festhalten, dass die Stadt und die Menschen hier unglaublich früh erwachen und aktiv werden. So treffen sich viele Sportmannschaften bereits um sechs Uhr morgens zum trainieren, damit dies noch vor der Arbeit realisiert werden kann.Ich selbst muss vier Mal die Woche um sieben Uhr morgens in der Uni sein, was für mich immer wieder aufs Neue eine Herausforderung darstellt. Vor allem in den ersten Tagen hat es mich erstaunt, dass mir bei dem Gang zu den Bussen bereits so viele Menschen entgegen kommen und viele schon mit dem Hund gassi gehen. (In Kolumbien ist es allerdings meist üblich, jemanden zu engagieren, der den eigenen Hund ausführt. So kommt es nicht selten vor, dass mir jemand entgegen kommt, der 4-7 Hunde ausführt. Zudem besitzen einfach unwahrscheinlich viele Kolumbianer Hunde - diese fallen mir hier sehr viel mehr auf, als in Deutschland. Als ich den Ausflug nach Villa de Leyva gemacht habe, waren noch sehr viel mehr herrenlose Hunde auf den Straßen präsent. Nachdem ich meinen Mitbewohner darauf angesprochen hatte, meinte er nur, dass in Bogotá selbst die streunernden Hunde wohl oftmals getötet werden, da die Kapazitäten der Tierheime längst nicht ausreichen. Aus diesem Grund sieht man in Bogotá eher weniger herrernlose Hunde.) Nach diesem kleinen Gedankensprung möchte ich aber weiter über das frühe Erwachen der Stadt berichten. Meine Versuche morgens um kurz vor sieben einen Bus zur Uni zu erwischen, der nicht absolut überfüllt ist, können meist nur schlecht realisiert werden, da sich genau dann die Rushhour auf den Straßen abspielt. Der Grund warum Kolumbien so früh erwacht liegt vielleicht an dem Umstand, dass Kolumbien direkt am Äquator liegt, sodass die Sonne hier an jedem Tag im Jahr zur gleichen Zeit auf- und untergeht. Das heißt, dass um sechs Uhr die Straßen dunkel sind und bereits um halb sechs bis sechs Uhr morgens die Sonne ebenfalls wieder aufgeht. Mit diesem "frühen" Tagesrythmus haben die Kolumbianer also viel mehr von der Sonne und auch ich konnte schon feststellen, dass man einfach viel mehr realisieren kann, wenn man so früh den Tag beginnt (trotzdem kann ich mir kaum vorstellen komplett zum Frühaufsteher zu mutieren:-))

Wie ich bereits erwähnt hatte, herrscht hier jeden Tag ein kleines Verkehrschaos. Vor eineinhalb Wochen fiel sogar die Elektrizität in einem großen Teil der Stadt aus, sodass in Folge dessen selbst die Ampeln keinen Strom mehr hatten und wirklich jeder über die Kreuzung fuhr, wie er wollte. Ich stand in dem Moment direkt neben der Kreuzung, sodass ich einen Schnappschuss davon machen musste.

 

Zu allerletzt ist mir hier aufgefallen, dass all die mobilen Straßenläden nicht nur allerhand Süßwaren und Säfte verkaufen, sondern auch Telefongespräche anbieten, in dem man sich "Telefonminuten" kauft und dann anhand eins der Handys des Straßenladens telefonieren kann. Dies liegt vor allem daran, dass es in Kolumbien zwei große Telefonanbieter gibt (claro und tigo), sodass es jeweils immer günstiger ist, ins gleiche Netz zu telefonieren. Um also Geld zu sparen, geht jemand mit einer claro sim-karte zu solch einem Laden, um in ein tigo netz zu telefonieren. Dies war allerdings nicht die einzige Überraschung dieser kleinen Läden, denn man hat auch die Möglichkeit, statt einer Schachtel Zigaretten, nur eine einzige zu kaufen und sich dort direkt anzünden zu lassen. Apropo Zigaretten - der Preis einer Schachtel ist hier auch unglaublich billig. Für eine normale Schachtel zahle ich hier 4.200 COP, was ungefähr 1, 70 Euro entspricht. Trotz des spottbilligen Preises rauchen die Kolumbianer zumindest in Bogotá relativ wenig, nur selten sehe ich Leute auf der Straße rauchen und selbst am Wochenende haben nur wenige Kolumbianer eigene Zigaretten dabei. In Gesprächen mit Kolumbianern habe ich erfahren, dass wohl die meisten eher Gelegenheitsraucher sind und die klassische Raucherattitüde absolut den Europäern zuschreiben.

Über die Kultur gibt es noch so viel mehr zu berichten, da ich jeden Tag neue Eindrücke darüber sammeln kann. Mir gefällt die warmherzige Mentalität allerdings sehr gut und es scheint, als sei der Umgang der Menschen hier in Bogotá sehr viel kollektivistischer geprägt, als die doch eher egozentrischen/individualistischen dominierten westlichen Länder. Es kommt mir vor, als würde man hier sehr viel mehr aufeinander achten, als nur die eigenen Ziele ohne Rücksicht auf andere zu verfolgen.

Zum Schluß dieses Blogeintrages möchte ich noch kurz auf das kulinarische Angebot in Kolumbien eingehen.

Das Essen hier in Kolumbien schmeckt mir sehr gut - wohl schon fast zu gut, da ich nach nur so kurzer Zeit das Gefühl habe, bereits zugenommen zu haben. Dies kann aber sehr wohl an dem Fakt liegen, dass hier einfach fast alles fritiert ist - Empanadas, Arepas und Patacon (Kochbanane). Das Gericht auf dem Bild zeigt ebenfalls Patacon mit Hackfleisch, Käse, Bohnen und Salat.

Es ist hier schon fast eine Kunst, ein Restaurant zu finden, welches "gesundes" Essen anbietet bzw. Salate auf der Karte hat. Wohingegen jedes zweite Restaurant mit "Hamburgesa" und "Hot dogs" wirbt. Das Essensangebot besteht hier tatsächlich aus sehr deftigen Gerichten - denn auch das traditionelle kolumbianische Essen besteht meist aus reichaltigen Portionen Fleisch (vor allem Huhn!) und einer doppelten Portion Kohlenhydraten, da zu den Kartoffeln auch noch Reis serviert wird. Das Essen wird meist auf noch heißen Platten serviert, wie man hofffentlich anhand von diesen Bildern erkennen kann.   Das was wie eine schwarze Wurst auf dem letzten Bild aussieht, ist eigentlich keine richtige Wurst, denn sie ist mit Reis und Bohnen gefüllt - die dunkle Farbe erhält die Wurst durch Blut. Als ich während der Orientierungswoche mit der gesamten Uni in diesem Restaurant war, habe ich leider nur die ersten beiden Bestandteile mitbekommen, sodass mich im Nachhinein meine Mitbewohnerin aufklärte. Hätte ich wohl vorher gewusst, dass die Wurst mit Blut versetzt ist, hätte ich vermutlich die Wurst nicht probiert - allerdings hat sie gar nicht so schlecht geschmeckt.

Natürlich kann man sich zu all diesem Essen in Kolumbien Juices aus jeglicher Frucht bestellen. Die meisten Namen der Früchte hier in Kolumbien habe ich noch nicht mal gehört, sodass ich immer wieder aufs Neue überrascht werde, wenn ich einen neuen Saft bestelle. Eine Frucht, aus der nicht nur Juice sondern auch Eis in Kolumbien hergestellt ist, heißt Lulo. Das dazugehörige Getränk heißt Lula und sieht folgendermaßen aus. Der Geschmack ist allerdings am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig, da es doch sehr sauer-süß schmeckt. Die gesamte Frucht wird dabei aus dem Glas gelöffelt und ist sehr beliebt unter Kolumbianern. Leider hatten wir mit unseren "Lula" bei der ersten Bestellung weniger Glück, da wir Würmer da drinne fanden, die nach Aussage des Kellners des Restaurants schon mal im Glas landen können, wenn man die Frucht verarbeitet. Nichtsdestotrotz ist den Meisten der Austauschstudenten danach die Lust auf das Getränk vergangen, da der Wurm auch nicht so klein war.

Doch nicht nur die Vielfalt an Fruchtshakes begeistert mich, sondern vor allem die "Dessertküche" in Kolumbien. An jeder Ecke in Bogotá findet man Cafeterias, die alles was das Herz begehrt anbieten. Die Vielfalt an Süßwaren ist hier wirklich enorm, vor Muffins, Kuchen, Kecksen allerlei Schockoladen und vor allem Brownies (die, die Kolumbianer anscheinend verschlingen) kann man sich kaum retten. Direkt neben meiner Wohnung ist ein kleines Café, welches einfach atemberaubende Torten und Leckerreien anbietet, die nicht nur im Geschmack sondern vor allem auch vom Aussehen überzeugen. Allerdings handelt es sich hierbei keinesfalls um ein "Sternecafé", denn man findet solche Desserts wirklich an jeder Ecke - ich frage mich schon die ganze Zeit, wie es die Kolumbianer schaffen, bei all diesen Leckerreien noch eine so gute Figur zu machen.

Weiterhin fällt hier auf, das Milch gebräuchlicher in Tüten verkauft wird, als in Tetrapacks (in Tetrapacks erhält man auch nur haltbare Milch und entweder mit 3,5% Fett oder gar kein Fett:-)) Das war schon sehr irreführend für mich am Anfang, da ich vergeblich die Milch im Supermarkt suchen musste. Das Angebot an Käse fällt hier in Kolumbien auch begrenzter aus als in Deutschland, außer man ist bereit für sehr viel mehr Geld importierten Käse zu kaufen. Allgemein hatte ich am Anfang das Gefühl, dass wirklich jeder Käse hier gleich schmeckt - mittlerweile habe ich mich schon an den Geschmack gewöhnt.

Wenn man hier Fleisch bestellt, muss man sich bewusst werden, dass die Kolumbianer sehr viel mehr vom Fleisch verarbeiten als es in Deutschland der Fall ist. Bestellt man hier "carne", so kann es unter Umständen passieren, dass man Fleisch bekommt, welches mit Sehnen und zum Teil kleinen Knorpeln versetzt ist - was auch wirklich unappetitlich sein kein, wenn man nicht damit gerechnet hat. Aus diesem Grund bestelle ich meistens nur "pollo" (Huhn), wobei hier in Kolumbien die Hühnertierhaltung wohl absolut katastrophal sei, da die Nachfrage nach Hühnerfleisch bestimmt das dreifache der deutschen Nachfrage ist.

Neben all diesen Kulinaritäten, überzeugt Kolumbien vor allem aufgrund seiner Vielfalt an Früchten, die einfach unglaublich saftig schmecken. Ich esse eigentlich jeden Tag Ananas und Nektarinen, vor allem aber auch Mangos und Papayas sind hier sehr gut. Da diese Früchte ihre Wurzeln in Kolumbien haben, erstaunt auch nicht der billige Preis - für eine ganze Papaya zahlt man hier nur 70 Cent, wohingegen ich mir habe sagen lassen, das in Deutschland eine halbe Papaya schon 5 Euro kosten kann.

Generell lässt sich festhalten, dass man aus einer "deutschen" Perspektive wohl fast genauso billig/teuer essen kann, wenn man sich nur von dem angebotenen Essen in Restaurants und Straßenläden ernährt. Für 1,50 (3.000 COP) habe ich vor kurzem einen ordentlichen Hamburger bekommen und noch ein Getränk dazu - darüber war ich doch sehr erstaunt.

Die meisten Straßenstände bieten aufgrund des Überangebots an Früchten, meist bereits fertiggestellte Plastikbecher voller Früchte an, die man als Snack kaufen kann. Ebenfalls gibt es an jeder Ecke frisch gepressten Orangensaft - daran könnte ich mich auf Dauer gewöhnen:-)

Abgesehen von den bekannten Früchten, gibt es hier noch eine Vielzahl an Früchten, die ich noch nicht kenne, die mich aber sicherlich mit ihrem Geschmack überzeugen können.

Die ersten Tage in Bogotá

Freitag, 24.01.2014

Mittlerweile bin ich schon seit vier Tagen in Bogotá und ich will die Gelgenheit nutzen, um kurz zusammenzufassen, was ich alles bisher erlebt habe.

Das erste Abenteuer für mich war die kleine Stadtführung, die mir mein Mitbewohner Jack am ersten Tag nach meiner Ankunft gab. Ich wohne in Chapinero, einem eher ruhigerem Bezirk in Kolumbien, welches aber sehr zentral liegt und ich nur fünf Minuten brauche, um an eine der Hauptverkehrsstraßen von Bogotá zu gelangen. Jack zeigte mir den Weg zu dieser Straße, als auch diverse nützliche Supermärkte - und ich war einfach nur überwältigt von der Hektik auf den Straßen (jeder fährt wie er will), dem Stil der Häuser und Straßen und auch von dem Smog an den Hauptverkehrsstraßen. Man muss dazu wissen, dass es drei Hauptverkehrsstraßen in Bogotá gibt, die jeweils von Norden nach Süden führen und auf jeder Fahrbahnseite zwei - bis dreispurig sind. Diese Straßen heißen Carreras, wohingehen die Calles von Osten nach Westen führen. Carrera Septima (7) ist die nächstgelegene von meiner Wohnung und die Kolumbianer fahren wie die verrückten.Man hat den Eindruck, dass es eigentlich keine wirklichen Verkehrsvorschriften gibt und jeder fahren kann wie er will. Man hört ständig Autos hupen und man sieht überall Menschen über die Straße rennen, damit sie auf die andere Seite gelangen können.

Die Verkehrsinfrastruktur in Bogotá besteht eigentlich nur aus Bussen, Taxis, Motorrädern und Autos. Es gibt keine Straßenbahn oder Metro, deswegen fahren in der fast 10 Millionen Einwohnerstadt etliche kleine Busse im minutentakt an einer dieser Hauptverkehrsstraßen vorbei. Diese sind nämlich Hauptverkehrsmittel von fast allen, die in Bogotá leben, da das eigene Autofahren oftmals noch länger dauern würde (man im Zweifel zwei Beulen mehr im Auto hat) und man vor allem sehr hohe Parkgebühren überall in Bogotá zahlen muss. Das Sonderbare an den Bussen in Bogotá ist, dass man einfach die Hand ausstrecken muss, als würde man trampen wollen und die Busse halten an und sammeln einen ein. Genauso funktioniert auch das Aussteigen - die Busse halten überall an, sobald man rauswill. Allerdings geht es total hektisch zu, da überall aprupt Busse anhalten, losfahren, Leute aussteigen, einsteigen, andere Autos an dem Bussen vorbeifahren (ohne dabei auf aussteigende Fahrgäste zu achten) - man könnte fast sagen, es gleicht einer kleinen Anarchie auf den Straßen. Nichtsdestotrotz liebe ich es jetzt schon mit diesen Bussen zu fahren, weil es einfach jedes mal aufs Neue aufregend ist. Sobald man eingestiegen ist, fährt der Buss auch schon wieder los (und die Autos und Busse fahren nicht 50 auf den Straßen:-)) und der Busfahrer schafft es irgendwie bei dem ganzen chaotischen, dreispurigen Verkehr das Geld während der Fahrt zu wechseln - so lange steht man meist bei offener Tür am Eingang. Wenn man glück hat und nicht gerade "rush hour" herrscht, bekommt man auch einen Platz in den kleinen Bussen, die vielleicht so 10 - 15 Plätze bieten. Vor allem sollte man dabei darauf achten möglichst immer einen Platz nahe des Ausgangs zu bekommen, da man ansonsten, wenn der Buss komplett voll ist und die Leute bis zur untersten Stufe der Eingangstreppe stehen, keine Chance hat dort auszusteigen, wo man aussteigen muss. Zudem ist es gar nicht so einfach, sich zu merken, wo man eigentlich aussteigen muss, da die Straßen für mich am Anfang fast alle gleich aussahen. Trotz allem habe ich meine erste eigene Busfahrt am Mittwoch ohne Probleme gemeistert und es macht sogar Spaß ein bisschen chaotischer so von A nach B zu kommen. Allerdings raten viele von der Nutzung dieser Busse ab, da man angeblich oft ausgeraubt wird und es wohl auch schon mehrere Unfälle mit Todesfällen gab - was aufgrund der Fahrweise nicht verwunderlich ist. Als Alternative könnte ich auch einen "Transmillenio" nehmen. Das sind größere Busse, die dem "westlichen Standard" entsprechen und vor allem vorsichtiger fahren und auch nur an den vorgesehen Bushaltestellen anhalten. Allerdings fahren nur Wenige auf der Carrera Septima, sodass es für mich einfacherer und schneller ist, die kleineren, chaotischeren Busse zu nehmen:-)

Eine weitere Sache die mir aufgefallen ist, sind die unzähligen, kleinen Straßenläden, an denen man einfach alles kaufen kann. Entweder ist es ein Stand mit frisch gepressten Säften und Tinto (kleiner, schwarzer Kaffe, der mit unheimlich viel Zucker versetzt wird - aber morgens ganz gut tut:-)), oder Essenstände, die hauptsächlich Empanadas (ein traditioneller Snack in Südamerika, der aus einer Teigtasche gefüllt mit Reis und meist Fleisch besteht) und Sandwiches verkaufen, oder einfach kleine Schmuck- und Accessoirestände. Diese kleinen Straßenläden zieren wirklich fast jede Straße und beleben noch mehr die Atmosphäre in Bogotá. Allerdings hat meine Auslandsuniversität davon abgeraten, Essen oder Trinken von diesen Ständen zu kaufen, da wohl oft den Leuten so etwas untergemischt werden kann. Ich werde mir wohl aber dennoch was von diesen Ständen holen, weil mir bisher noch nichts passiert ist und sicherlich nicht jeder dieser Standbesitzer ein Kleinkrimineller sein wird.

Bogotá ansich ist eine unglaublich große Stadt, die selbst für die Einwohner noch Überraschungen offen hält. Es fällt mir mittlerweile an meinem vierten Tag schon wesentlich leichter mich zu orientieren, da das System wirklich simpel ist. Es gibt einen nördlichen Teil von Bogotá und einen südlichen Teil, wobei im Norden die wohlhabenden Einwohner leben und im südlichen Teil sich irgendwann fast brasilianische Favelas auftun. Diese Ambivalenz ist wirklich sehr dominant in Bogotá, da der Norden total verwestlicht aussieht, sehr viel gepflegter und grüner ist, sehr viel teurere Autos gefahren werden und die Häuserlandschaft sehr viel moderner erscheint. Bis jetzt war ich zwar noch nicht im südlichen Teil Bogotás, aber man merkt den Unterschied kontinuierlich sobald man sich südlicher in Bogotá bewegt. Der nördliche Teil Bogotás erstreckt sich von Calle 0 - ca. 230, und der Süden gleichwohl von Calle 230 - 0. Meine Wohnung liegt auf der Höhe von Calle 56 im nördlichen Teil Bogota´s, sodass es in meiner Gegend relativ sicher ist, da meist die südlicheren Gebiete als gefährlich gelten.

Ein kleines Highlight, welches ich gerade heute erlebt habe, war der Besuch des Monserates im Zuge der Orientierungswoche der Auslandsuniversität, einem anliegendem Berg von Bogotá auf dessen Spitze sich eine Kirche befindet und noch heute als Pilgerziel genutzt wird. Die Bergspitze befindet sich auf ca. 3250 Metern Höhe (Bogotá selbst, liegt bereits auf einer Höhe von 2600 Metern) und der Ausblick ist einfach unglaublich! Heute war ohnehin ein wunderschöner Tag (ich habe mir leider meinen ersten Sonnenbrand zugezogen), sodass wir eine perfekte Aussicht genossen haben. Den wunderschönen Anblick will ich euch nicht vorenthalten, sodass ich euch durch diese Bilder vielleicht einen kleinen Einblick geben kann. Ich habe mich auf jeden Fall fast wie im Paradies gefühlt.   

               

     Dies war unsere Gruppe an Studenten, die alle ihr Auslandssemester an der Universität CESA in Kolumbien absolvieren werden und mit denen ich wahrscheinlich das nächste halbe Jahr noch sehr vel Zeit verbringen werde:-) - die berühmte Kirche darf natürlich auch nicht fehlen.

Ganz oben auf der Spitze gab es mehrere kleine Läden, die viele tradtitionelle Souvenirs anboten. Auch Kokablätter gehören zum Inventar dieser Läden.   Zuletzt sind wir mit diesem Lift dem Meeresboden wieder näher gekommen;-)

Die Reise geht los

Donnerstag, 23.01.2014

Dies ist mein erster längerer Auslandsaufenthalt und ich war unglaublich aufgeregt diese Erfahrung zu machen. Warum habe ich mir eigentlich Kolumbien für mein Auslandssemester ausgesucht? Es war wohl die Vielseitigkeit und die Andersartigkeit die mich besonders an diesem Land gereizt hat. Mit Kolumbien assoziiert man ja auch so einiges: "größter Drogenexporteur", "Koka", "Bürgerkrieg", "Entführung" - aber auch "das schönste Land Südamerikas", "Karibik" und "das gastfreundlichste Land auf der Welt". Um hinter die Fassade all dieser Assoziationen zu blicken, habe ich mir vorgenommen die Reise aufzunehmen und das Land mit eigenen Augen zu entdecken. Es wird sich am Ende des Auslandssemesters zeigen, welches der Assoziationen sich bewahrheiten werden.

Kurz vor meiner Abreise habe ich mich unglaublich verrückt gemacht, da es auch für mich das erste Mal war so weit weg zu fliegen und das auch noch für einen längeren Zeitraum. Die Hinfahrt zum Flughafen war für mich wie ein Rausch, der mich in einen Zustand versetzte nicht mehr darüber nachzudenken, was wohl im Auslandssemester passieren wird, sondern hinzunehmen, dass nun ein absolut spannender Lebensabschnitt beginnen sollte. Meine Gepäckmöglichkeiten habe ich absolut ausgereizt, sodass Mama am Flughafen den Koffer nur halb auf das Fließband gestellt hat, sodass doch tatsächlich die erlaubten 23 kg dabei herauskamen - später erzählte sie mir, dass bei kompletter Belastung des Bandes 25 kg angezeigt wurden - aber diese Tatsache sollte meine Reise nicht unterbrechen. Die Spannung stieg umso mehr als ich mich endgültig von Mama am Flughafen von Hannover verabschiedet hatte - nun began die Reise in die neue Welt.

Der Flug von Hannover nach Frankfurt war so turbulent wie meine Gedanken in dem Moment - ich hatte ziemlich Angst, dass wir gleich Abstürzen - auch wenn meine Wahrnehmung sicherlich übertrieben war. In Frankfurt angekommen traf ich schon zufällig meinen Kommilitonen Marcel, der ebenfalls mit mir an der gleichen Uni das Auslandssemester in Kolumbien absolviert. Nach einer kurzen Zigarettenpause meinerseits begaben wir uns direkt zum Gate - seit ich in Hannover am Flughafen angekommen war, ging es mir körperlich gar nicht mehr gut - mir war etwas mulmig und an Essen war auch nicht zu denken. Während wir auf den Einlass ins Flugzeug warteten, tranken wir noch einen Cappuccino bis es dann endlich um 13:00 Uhr so weit war und das Boarding began. Der Flug war relativ angenehm und meine anfängliche Flugangst hat sich nach 1 Stunde auch gelegt. Lustigerweise haben Marcel und ich schon beim Boarding einen weiteren Studenten getroffen, der sein Auslandssemester in Baranquilla absolviert, die größte karibische Küstenstadt von Kolumbien. Sogleich haben wir ein sporadisches Reisedate für die Dauer des Auslandsaufenthalts abgemacht - mal sehen, ob das auch realisiert wird. Das Angebot der Lufthansa Filme, meine Kameraanleitung und der kolumbianische Reiseführer haben mir den Flug versüßt, sodass wir aufgrund von guten Windverhältnissen schon nach elf Stunden und 30 Minuten in Bogotá ankamen. Die dortige Ortszeit betrug sieben Uhr und ich konnte beruhigt mein Gepäck bei der Ausgabe abholen.

Kaum aus der Gepäckhalle raus erwartete mich Fernando Herrera, ein älterer kolumbianischer Herr, der Transportdienstleistungen anbietet. Mit einem Schild mit meinem Namen wurde ich begrüßt und ich konnte ihn kaum verfehlen - doch nun began meine erste Sprachhürde - denn er konnte kaum Englisch und ich konnte kaum Spanisch.Gottseidank war Marcel dabei, den wir auch mitgenommen haben, sodass er zumindest ein wenig mit Mr. Herrera sprechen konnte.

Mr. Herrera, der mir den ersten Eindruck der Kolumbianer vermittelte, entsprach absolut dem, was ich über die Gastfreundschaft des Landes gelesen hatte. Ab diesem Zeitpunkt verflogen all meine vorherigen Befürchtungen und ich fühlte mich sofort sehr Wohl im meiner neuen Umgebung. Mr. Herrera brachte mich also direkt zu meinem neuen zuhause: Calle 56, #3a-40. Dabei handelt es sich um ein nettes Haus, was ich mit weiteren sieben Mitbewohnern während meines Auslandsaufenthaltes teilen werde. Der erste kleinere Schock überkam mich, als ich aus dem Auto ausstieg und vor einer vergitterten Tür stand - ich realisierte schnell, dass in Bogotá ein anderer Wind herrschte, als in Deutschland.

 

Kaum betrat ich mein neues zuhause, so wurde ich herzlich von meinen neuen Mitbewohnern empfangen (die wohl eher zufällig in der Küche saßen), die mich neugierig ausfragten. Sofort bekam ich von dem Hausältesten Mr. Franco Napoli eine Einführung, was ich zu beachten habe im großen Bogotá, um nicht sofort ausgeraubt zu werden. Seine Tipps waren ungefähr Folgende: Sofort und immer die Sicherheitstür abschließen, immer ein Taxi abends nehmen - aber nur, wenn ich vorher angerufen habe, sodass der Anruf und die Taxifahrt registriert ist - ansonsten könnte ich überfallen werden, keinen Schmuck tragen, nicht mein Handy auf der Straße rausholen und vor allem: immer achtsam sein, was um mich herum passiert. Die anderen Mitbewohner entschärften schnell Napolis Ratschläge auch wenn sie meinten, es kommt immer mal wieder vor, dass etwas in Bogotá passiert. Meine Mitbewohner sind alle berufstätig, Mr. Napoli ist eigentlich Italiener und lebt seit mehreren Jahren bereits in Bogotá - er war sogar als Dozent an meiner Auslandsuni tätig und organisiert nun Reisen und hat eine Sprachschule aufgebaut. Es gibt noch Jack, der als Freelanzer bei "The Economist" arbeitet und aus England kommt. Er hat mir einen Tag nach meiner Ankunft die wichtigsten Supermärkte und Einkaufsmöglichkeiten in dem Bezirk Chapinero gezeigt, in dem sich meine Wohnmöglichkeit befindet. Dann gibt es noch Noell aus Amerika, die als Anwältin in Bogotá tätig ist und Lea, die ebenfalls als angehende Anwältin in Bogotá eine Anstellung in der französischen Botschaft hat. Zuletzt haben wir einen Kolumbianer, Juan, der aus Cali stammt und nun schon seit drei Jahren in Bogotá lebt und als Reiseführer arbeitet. Die letzten zwei Mitbewohner werden dieses Wochenende aus Amerika in Bogotá ankommen - dann ist unser Haus vollzählig.

Hier seht ihr noch ein paar Bilder von dem Distrikt in dem ich in Bogotá wohne.